Meine hochgeschätzten Herren!

Ihre beiden Schreiben, das, werden Sie mir vorläufig den Eingang des den dortigen Seemännern von mir gewidmeten Humpen anzeigen, und das worin Sie mir die Entgegennahme desselben ab Seiten der Schiffer daselbst mittheilen, habe ich richtig erhalten, und bisher Ihnen noch nicht antworten können, weil ich in neuester Zeit unendlich beschäftigt gewesen bin, und des Schreibens gar viel gehabt habe. Ich eile aber nun Ihnen zu antworten, und meinen beßten Dank für Ihre Mittheilungen auszusprechen. Die Art und Weise wie die dortigen Herren Schiffskapitaine den Humpen aufgenommen, hat mich bewegt, ja gerührt ------ meine Anhänglichkeit und Zuneigung für die Bewohner des Fischlandes insbesondere für deren Seemänner mein denselben bewährtes treues Andenken hat ein Echo gefunden in deren Gesinnungen gegen mich, bestätigen beym.
Empfang des Humpens, und ich bin hocherfreut darüber, hoffe, daß mein Andenken und lebhafter auch sein, und begründet bleiben wird durch das Ihnen Allen gewidmete an sich nur unbedeutende, doch in der Ausstattung würdige Geschenk. Aber sehr dankbar bin ich Ihnen für Ihre ausführlichen Mittheilungen über Ihre dortigen gegenwärtigen Verhältnisse, die ich, wenn auch nicht so genau wie Ihre Schilderung sie darlegt, doch ziemlich, denn ich habe mich nach solchen vielfach erkundigt und bin mit demselben, in Gedanken fortgegangen. Erlauben Sie es mir, mich dieserhalb nachfolgend auszusprechen. Sie haben mir dargelegt und erörtert,

  1. Das Emporblühen des Fischlandes localiten durch die ausgeführte Regulierung, in Folge derselben viele Neubauten ausgeführt und ganz neue Straßen entstanden sind. Ich hörte davon bisher viel und bin sehr erfreut darüber gewesen, wollte zu meiner Zeit schon darauf hinarbeiten, war derzeit aber der Zeitpunkt dafür noch nicht da, und ich zu angestrengt mit anderweitigen Arbeiten, daß ich daran nicht denken konnte, wollte so gerne eine bessere Communikation zu Wasser, von der Waldung und dem Torfmoor durch den Müllbach, bei Hirschburg und Körckwitz vorbeifließend, und demnächst durch die Binnensee, für den Transport von Holz u Torf nach Fischland. Ich hatte es so weit, daß der Oberbaurath Heinsch von der Großherzoglichen hohen Cammer deputiert wurde, mit mir den Müllbach besuchte, auch für mein Projekt gestimmt war,allein es wurde doch nicht darauf weitere Rücksicht genommen. Sie theilten mir ferner mit, daß der oft sehr günstig gewesene Frach-tenstand auf den Wohlstand von Fischland sehr eingewirkt hätte, minder nicht die Aufhe-bung der Englischen Navigations-Acte, hörte ich dies schon und gewahrte es auch durch die unendlich vielen und großartigen Schiffs Schiffsbauten, und hat Ihnen, in der Fahrt be-griffen großen Zeitgewinn erbracht, und manche Vepationen erspart, desgleichen Unkosten, die Aufhebung des Sundzolls, dessen Sie nicht gedachten ich mir aber gleich vorstellte.
  2. Die Verbesserung Ihrer Schulen namentlich der Begründung der berühmt gewordenen dortigen Navigations-Schule. Ich bin derselben wegen von Anfang an sehr in Kenntniß gewesen, denn hauptsächlich hervorgerufen, begründet und enger gehalten, hat sie mein , vor 7 Jahren, im kräftigsten, fast jugendlichen Alter verstorbener Schwiegersohn, der Re-gierungsrath von Witzendorff, dessen Lieblingsschöpfung dieselbe war, der wenn er mich in Stavenhagen besuchte, viel darüber mit mir sprach, der den jetzigen Direktor gedachter Schule, Herrn Schütz hierher berufen, und mit demselben gewiß mündlich auch verhadelt haben wird. Möge dies heilsame Institut so fortblühen, wie bisher, hat es gewiß schon vie-len Nutzen gestiftet, und wird einen solchen immer mehr bringen.
  3. Die Verhältnisse der Correspondentrheder zu den Schiffern. Hierüber klagen Sie und mit vollem Recht. Während meiner vieljährigen Dienstzeit habe ich es sattsam erfahren wie viel Mißbrauch in diesen Verhältnissen obwaltet, habe ich viel darüber gesprochen, auch im vorigen Jahr in die Mecklenburgische Zeitung einen Aufsatz inseriren lassen, und da-rin unter anderen Mängel der Stadt Rostock, auch auf diese hingewiesen. Ich lege die be-treffende Zeitung an, erbitte sie aber zurück, und wollte sie auf der zweiten Seite unter das Inserat mit der Überschrift ,,Eingesandt", mit Röthel bezeichnet, lesen. Werden die Schiffsrechnungen nicht prompter und besser justificirt abgelegt, die Dividende nicht schneller vertheilt denn bisher, so wird die Rhederey einen großen Stoß bekommen und die Erbauung von neuen Schiffen fast unmöglich werden. Vor 50 Jahren rhederten nur die Schiffer unter sich, die Correspondentrheder, und die bei den Leuten der Schiffe beteiligten Handwerker, kam es dermalen auf eine genaue rasche Rechnungsablage nicht so sehr an, allein heutiges Tages wo viele reiche Leute, Gutsbesitzer u.so.w. Schiffsparten genommen haben müssen die Schiffsrechnungen rasch und genau abgelegt und die Dividente da auch sofort vertheilt werden. Viel Klage wird dieserhalb geführt, und ist eine große Abneigung gegen das Rheden bereits entstanden, das leider! zunehmen wird. Es wird ehestens ein Rheder laute Klage führen, hat in 2 1/2 Jahren keine Abrechnung bekommen, hat das Schiff ---- 22,000 Thaler verdient, und sind nur = 5700 Thaler zur Vertheilung gekom-men! Dies ist etwas arg ! Auch müssen die Gelder, die zur nächstjährigen Ausrustung zu-rück behalten werden, nicht in den Händen der Correspondentrheder bleiben, sondern der Bank übergeben werden, können Zinsen bringen und bleiben dadurch sicher. Denn der Correspondentrheder der augenblicklich ganz sicher ist, kann durch andere zum Fall kommen, können die Gelder gestohlen werden, bei einer Feuersbrunst verlohren gehen, und wer hat dann den Schaden? und die Rheder! Aber in dem Festhalten und Benutzen der Ausrüstungsgelder liegt der wunde Fleck der Correspondent-Rheder ----- ----- ----- ------. So wie es jetzt steht kann es nicht bleiben, die Herren Schiffer müssen vorgehen, müssen einen gründlichen, alles erschöpfenden Vortrag entwerfen lassen an das hohe Mi-nisterium des Innern, denselben durch eine Deputation übergeben lassen, mit mündlichen Vortrag und darin bitten, daß das hohe Ministerium diese hochwichtige Angelegenheit be-rücksichtigen, in die Hand nehmen und zweckdienliche hohe Verordnung erlassen wolle, läuft die Schiffahrt sonst Gefahr in tiefen Verfall zu kommen. Und hiermit ist nicht zu säumen, würde es gut und angemessen sein, wenn die Deputation auch um eine Audienz beim Großherzog"bitten, und Hochdemselben, diese Angelegenheit kurz mündlich vortrüge und um gnädige Berücksichtigung derselben bitten. Dies ist mein Rath und wollen die Herrn Schiffer ihn, und bald befolgen. In meinem Aufsatz in der beiliegenden Zeitung habe ich mich auch ausgesprochen, über den großen unverantwortlichen Druck. den die Stadt Rostock auf den Flecken Warne münde ausübt und unter deren ----- -----, keine Juden zuzulassen, und Sie werden mir in dieser Hinsicht auch gewiß beistimmen.
  4. Der befürchtete Durchbruch oder Übertritt der Ostsee, über Ihre Wiesen und Deiche und die dadurch veranlaßt werdende Übersandung derselben. Ein solches besorgtes und aller-dings mögliches Ereignis, würde über Fischland ein großes Unglück bringen. Ich gebe daher anheim dieserhalb dem Großherzoglichen Amte in Ribnitz die dringensten Vor-stellung und die dringensten Bitten vorzutragen, doch baldmöglichst dieserhalb genügende Vorkehr zu treffen, und anfragen ob es Ihnen gestattet sein solle, sich auch Direckt an das hohe Ministerium des Innern zu wenden, und wird Ihnen dies zugestanden, so beeilen Sie sich auch deshalb Vortrag zu machen, und eine Deputation an das hohe Ministerium des Innern und gleichzeitig an den Großherzog damit abzuordnen. Die Stadt Ribnitz müßte aber auch mit herangezogen werden, denn diese läuft gleiche Gefahr mit ihrer großen Wiese.

Aus meinen vorstehenden Erörterungen wollen Sie, meine hochgeschätzten Herren entnehmen, daß ich mit meinen Gedanken noch bei Ihnen bin, ja fast noch als wäre ich mit Ihnen, und unter Ihnen lebte. Dies ist wirklich der Fall und habe ich noch ein solches Andenken für Fischland und seine Bewohner, als wenn ich annoch der kompetente Beamte dafür wäre. Mein Vorhaben Fischland und Sie einmal zu besuchen ist nur noch fester geworden, und, bleib ich gesund und am Leben, so komme ich in diesem Sommer zu Ihnen, sind dann leider! wohl alle Schiffer nicht zu Hause, bedaure dies sehr, Sie meine hochgeschätzten Herren, doch wohl. Recht sehr beklage ich es, daß Sie mein lieber Herr Niemann leidend sich befinden durch Altersschwäche, und bitte Gott! Ihren Zustand zu lindern und erträglich zu machen. Da ich gerne über manches Auskunft in Bezug auf dortige Personen zu haben wünsche, so lege ich einen gebrochenen Bogen an, worauf ich Fragen geschrieben, die ich auf der anderen Seite zu beantworten, und mir nebst dem beykommenden Zeitungsblatt, zurückzusenden bitte, und macht Ihnen das Niederschreiben der Antworten Mühe, so finden Sie dort wohl jemand, der die Güte hat, die Antworten kurz gegen die Fragen zu schreiben. Und so schließe ich denn meinen sehr lang gewordenen Brief, wünsche Ihnen von Herzen gutes Befinden, und wollen Sie in guten Andenken behalten

Ihren


alten treuen Freund
F. W. v. Lowtzow

den 20 ten Maerz 1859

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Quelle:
Übertragen aus dem in Sütterlin geschriebene Originaltext von Jochen Permien, Hamburg 1997. Die Übertragung ergänzt und geschrieben von Herrn Günther Weihmann, Wustrow 1998.