"Geläutet und gedankt" für …

einen Seefahrer vom Fischland, der fern der Heimat in Ausübung seines Berufes sein Leben verloren hat.

Über 500 mal findet man diese Eintragung ab 1790 im Wustrower Kirchenbuch, 120 Jahre lang. Fast alle Männer des etwa 1200 Seelengroßen Kirchspiels gingen zur See. Der errungene Wohlstand hatte einen hohen Preis.

Viele ihrer Schiffe sind spurlos mit Mann und Maus verschollen – irgendwo im Orkan gekentert – dass Schiff so leck, dass es ihnen unter den Füßen wegsackte – Feuer an Bord des Holzseglers – Masten brachen und zerschlugen das Deck, das Schiff ein Wrack. – Bei Strandungen in tosender See fanden oft alle den Tod, vom alten Schiffer bis zum knabenhaften Schiffsjungen.

Seeleute wurden von Sturzseen über Bord gerissen – stürzten aus der Takelage – starben an Unfallfolgen, da ärztliche Hilfe fehlte. – Skorbut, Malaria, Gelbes Fieber, Ruhr, Tbc, Typhus und andere Krankheiten forderten viele Todesopfer;

sie wurden möglichst im nächsten erreichbaren Hafen beigesetzt. War man weit ab, gab es ein Seemannsgrab: Der Tote wurde in ein Segeltuch eingenäht und beschwert, das Schiff wurde in den Wind gedreht und nach einem „Vater unser“ der Leichnam über Bord gesetzt.gelaeutet_und_gedankt

Hart war auch das Leben der Angehörigen, ein Leben zwischen Sehnen, Hoffen, Bangen und Warten, Warten, Warten … Und wenn dann Nachrichten ausblieben, die Hoffnungslosigkeit immer größer wurde bis zur traurigen Gewissheit, dass der Mann, Vater oder Sohn nicht mehr heimkehren, dann begann für viele die bittere Armut, denn Renten gab es noch nicht. –Trost in ihrer Not suchten die Hinterbliebenen auch in dieser Kirche.

Trotz allem, die Fischländer blieben der Seefahrt treu. In aller Welt waren die Fischländer Seeleute hoch angesehen für ihre Biederkeit, ihre Zuverlässigkeit und ihre tüchtige Seemannschaft.

Jochen Permien